Seit der Erbauung 1538 prägt die dem heiligen Ulrich – dem Schutzpatron für Reisende, Wanderer, Fischer, Weber, Winzer und Sterbenden (Wikipedia) gewidmete evangelische Kirche den Ortskern Altenriets.

1365  Erste Erwähnung einer der heiligen Katharina und dem heiligen Ulrich geweihten Filial­kapelle der Mutterkirche Neckartenzlingen innerhalb der Burganlage in (Alten) Riet

1446  erstmalige urkundliche Erwähnung von Altenreyt

1505  Erwähnung des für die Kapelle in Altenriet zuständigen Kaplan Conradus Kurtz

1536  Johannes Gretzinger ist der erste evangelische Pfarrer

1650  Anbringung des pokalförmigen mehreckigen Taufsteins

1684  Wechsel der Kirchengemeinde Altenriet von Neckartenzlingen nach Schlaitdorf.  Ab diesem Zeitpunkt keine Beisetzungen mehr in Neckartenzlingen, sondern auf dem eigenen Kirchhof an der Kirche

1712  Erbauung der Kirchhofmauer

1737  Renovierung der Kirche im gotischen Stil

1782  Verlegung der Zugangstreppe zur Empore der Männer von außen nach innen

1844  Die schrille Glocke „die Unbeliebte“ wird eingebaut

1861  Der steinerne Torbogen der Kirchhofmauer am Eingang wird entfernt

1864  „Die Friedensglocke“ kommt als 2. Glocke hinzu

1886  Verbesserung des Zugangs zur Empore, sowie Freilegung der hölzernen Decke, Anbringung von Schindeln vom Turm gegen Wetterschlag und Anbau von Blitzableitern

1904  Kauf eines gebrauchten Altars von der Kirchengemeinde Weil im Schönbuch und Einbau einer Beheizung mit einem Holzofen

1917  „Die Unbeliebte“ Glocke wird als „kriegsverwendungsfähig“ für 900 RM beschlagnahmt und eingeschmolzen 

1919  Die beschlagnahmte Glocke wird für 1.950 RM ersetzt 

1928  Elektrische Beleuchtung wird installiert.

1937  Beide Glocken der Kirche werden ersetzt

1942  Erneut wird eine Glocke als  „kriegs-verwendungsfähig“ beschlagnahmt und eingeschmolzen

1950  Die Kirchengemeinde erhält für die Ersatzbeschaffung der beschlagnahmten Glocke 1.000 DM von der bürgerlichen Gemeinschaft

1954  Die Verstorbenen werden nicht mehr bei der Kirche, sondern auf dem abseits gelegenen Friedhof beigesetzt

1957  Generalsanierung der baufälligen Kirche und umfassende Renovierung nach Entwurf des Glasmalers Prof. Rudolf Yelin dem Jüngeren durch die Stuttgarter Glasmalerei Saile

1959  Einbau der Turmuhr (Fa. Philipp Hörz) und der mechanischen Orgel des Stuttgarter Orgelbauers Weigle, sowie Erneuerung der 1942 beschlagnahmten Glocke

2004   Erneuerung der Turmuhr mit Digitaltechnik

2009  Umbau der Glockenaufhängung von Eisenjoche auf Holzjoche

2017  Eingang zur Kirche wird barrierefrei gestaltet.

In Erweiterung einer bereits im 14. Jh. erwähnten Kapelle, wurde die Kirche ursprünglich im spätgotischen Stil Mitte des 16. Jhd. erbaut, und dann Mitte des 18. Jhd. umgestaltet.

Wie bei frühchristlichen und mittelalterlichen Kirchen üblich, ist auch die Altenrieter Kirche in Ost-West-Richtung ausgerichtet.

Kirche außen

Im östlichen Chorbereich befinden sich die drei, im Zuge der großen Kirchenrenovierung 1957/58 angebrachten, farblich aufeinander abgestimmten und mehrfach unterteilten Glasgemälde im gotischen Stil 

Auf der Westseite befindet sich der 21m hohe Kirchturm, der nicht nur die drei Glocken (Betglocke, Taufglocke und Kreuzglocke), sondern auch ein kleines Kirchenmuseum beherbergt und seit 1886 von einem goldenen, unverwechselbaren Wetterhahn gekrönt wird.

Der Wetterhahn gilt als Mahnmal für die Aufrichtigkeit, da Petrus, nachdem Jesus gefangen genommen wurde, auf die Frage, ob er zu ihm gehöre, dies dreimal abgestritten hatte und anschließend der Hahn krähte.

An der Westseite des Kirchturms befinden sich oberhalb der Schallläden drei Einflugöffnungen für Mauersegler und andere Bewohner der Kirchturmspitze.

An der nördlichen Seite befindet sich in Richtung des evangelischen Gemeindehauses, ein als Sakristei dienender, auch mit sanitären Einrichtungen ausgestatteter Anbau, sowie der zweite Eingang zum Inneren der Kirche und zur Empore.

Kirche innen

Die Kirche bietet Platz für ca. 180 Besucher, ist beheizt, mit Bildschirmanzeige und einer elektroakustischen Anlage ausgestattet. Zwei Gedenktafeln mit den Namen der Gefallenen im deutschfranzösischen Krieg 1871 und den Gefallenen des 1. Weltkrieges befinden sich bei der Empore.

Links vom Chorbereich befindet sich die Kanzel, dahinter die mechanische Orgel, in der Mitte der Altar und rechts davon der pokalförmige, mehreckige Taufstein aus dem Jahr 1650.


Oberhalb der Chorfenster dann eine Steininschrift zu den Glasgemälden.

Das mittlere Fenster zeigt die Taufe Jesu, Jesus vor Gericht, Jesus am Kreuz und die Auferstehung.

In den beiden Seitenfenstern sind beinahe spiegelbildlich im unteren Bereich die vier 4 Evangelisten (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) abgebildet, die das im mittleren Bild Gezeigte bezeugen. Jeder hält eine Schriftrolle in der Hand und blickt zum Gekreuzigten und Auferstandenen.

Nach dem Zerfall der die Kirchhofmauer schützende Putzschicht, trat einiges zu Tage, das geschichtliche Hypothesen fördert.

So ist die nördliche 60 cm dicke Mauer mit zwei Schießscharten versehen und war wahrscheinlich Teil einer mittelalterlichen Burg. Auf einer Länge von 10 m ist diese aus unbehauenen Findlingen der näheren Umgebung errichtet und größtenteils noch im Originalzustand. Mit etwas Fantasie ist sogar noch der einstige Burgwall mit seinem Burggraben erkennbar.

An verschiedenen Stellen der weiteren Kirchenmauer sind unterschiedliche mittelalterliche Relikte, wie ein, in einen Stein gehauenes Auge, ein dreieckiger Türsturz aus einem älteren Sakralbau, sowie verschiedene Steine mit Inschriften (z.B. C1H5) zu sehen.

Rechts unter dem 1958 gepflanzten Mammutbaum sieht man den Gedenkstein der Gefallenen vom 1. und 2. Weltkrieg.

  • Heimatbuch Kreis Nürtingen Band 2 (1953) von Hans Schwenkel Seite 95
  • Geschichte der St. Ulrich-Kirche von Pfarrer Michael Walter 09/2017
  • Bilder: Gemeinde Altenriet, Birgit Schmid, Willi Reichert